Man muss sich schon manchmal sehr wundern.
Zugegeben, Stella hat sich heute bei einer Hundebegegnung nicht gerade von ihrer besten Seite präsentiert und ist ziemlich aus dem Fell gesprungen.
Ich habe das andere Gespann kommen sehen, großer, massiger Hund an Leine. Ich rufe Stella, die wenige Meter friedlich vor mir läuft, und leine sie an. Vermutlich bin ich auch etwas angespannt gewesen, weil schnell klar ist, das Gegenüber ist einer der wenigen Hunde auf die Stella (an der Leine!) reagieren könnte. Ich nehme also die Leine kürzer, halte sie genau neben mir (ich zwischen Stella und anderem Mensch-Hund-Gespann), weil sie tatsächlich erste Zeichen von „den mag ich nicht“ zeigt, als sie den anderen Hund dann auch schließlich wahrnimmt. Als sie dann (leider) wirklich loslegt, blockiere ich sie mit beiden Beinen, sie hat keine Chance an mir vorbei. Nach Bruchteilen von Sekunden ist der Spuk auch schon wieder vorbei. Hund und Halter vorbei, Stella wieder ruhig. Aus meiner Sicht habe ich alles richtig gemacht: angeleint, blockiert, verbal zurechtgewiesen ohne schreien. Muss man dann wirklich eine abfällige Bemerkung im Weitergehen loslassen? Ich bin froh nicht alles verstanden zu haben, aber es ging sinngemäß darum, dass Stella vorher frei lief. Als sei Stella ja *eindeutig* so aggressiv, dass das unverantwortlich sei.
Sekunden, die dem anderen Halter gereicht haben, uns und vor allem meinen Hund komplett zu verurteilen. Dass der Abruf tadellos war: ignoriert. Leider hat er die zweite Begegnung mit einem anderen Hund-Halter-Gespann auch nicht gesehen, da war sie lieb und vorbildlich. Genau wie in zig anderen Begegnungen.

Normal würde ich mich nur den ganzen Tag darüber ärgern, nicht unbedingt posten. Aber im Windschatten von Chico drängt es mich einfach, mir Luft zu machen. Denn diese kleine Begegnung zeigt, wie wenig manche Leute Aggressivität bei Hunden richtig einschätzen können. Mich würde absolut nicht wundern, wenn eben dieser erboste Hundehalter auch Petitionen für Chico unterschrieben hat. Das ist natürlich nur reine Spekulation (ein bisschen basierend darauf, dass er einen Listi hatte), aber so verdreht ist die Welt heute doch manchmal. Aus sicherer (digitaler) Entfernung will man, dass ein hochaggressiver Hund gerettet und geheilt wird, aber in einer kleinen, unglücklichen, aber halt echten Begegnung mit einem durchaus normalen (eigentlich lieben) Tier ist man empört und entsetzt ohne dessen Hintergründe auch nur zu erfragen. Der Tatsache, dass mein Hund falsch eingeschätzt wird, bin ich übrigens öfter mal ausgesetzt, auch schon wenn sie sich nicht aufführt wie eine Irre. Meist wenn sie aufdringliche Hunde anknurrt, weil sie ihre Ruhe will. Ich wurde echt schon empört gefragt, wie ich denn mit einem so unsozialen Hund auf der Hundewiese herum laufen könne, als Stella mal noch deutlicher geworden ist (ohne beißen!) bei einem Fiffi, der ihr minutenlang unabrufbar nahezu ins Hinterteil gekrochen ist. Da kann man doch nur noch antworten: „Wieso? Sie sind doch auch hier!“ Falscheinschätzungen, soweit das Auge und Ohr reicht.
Ich habe wirklich einen sehr lieben Hund, sie hört, sie geht Konfrontationen aus dem Weg, wenn sie kann, sie jagt nicht und bleibt immer schön in meiner Nähe. Und ich kenne sie und weiß um die handvoll Ausnahmen von der Regel (wenn auch nicht immer die Ursache) und verhalte mich entsprechend. Was hätte ich also anders machen sollen? (Außer entspannter bleiben vielleicht.) Ich konnte ja schlecht über einen Wassergraben ins Gebüsch mit ihr springen, damit mehr Raum zwischen den Tieren ist. Ich verstehe durchaus, dass Stella keinen guten Eindruck gemacht hat, aber wenn man sich als Halter so korrekt wie möglich in so einer Situation verhält, vorausschauend und sichernd, dann hat man so beiläufige Abfälligkeiten und Verurteilungen wie heute morgen einfach nicht verdient.